Gemeinsame Pressemeldung LMU und SNSB
Department für Geo- und Umweltwissenschaften, Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Raubsaurier - Der Erste seiner Art

31.08.2016

Er gilt als das „Monster von Minden“, jetzt konnten Paläontologen den größten Raubsaurier, der bisher in Deutschland gefunden wurde, eindeutig als erste Spezies einer bislang unbekannten Gattung klassifizieren.

Der Saurier lebte im mittleren Jura, also vor etwa 163 Millionen Jahren, und er ist nicht nur der erste in Deutschland entdeckte Raubsaurier aus dieser Zeit, sondern auch der mit den größten Ausmaßen: Das Tier war vermutlich acht bis zehn Meter lang, im Vergleich mit anderen Raubsauriern sehr kräftig gebaut und wog mehr als zwei Tonnen – und war wahrscheinlich noch nicht einmal vollständig ausgewachsen. Jetzt haben Oliver Rauhut, Paläontologe am Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU sowie an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München, sowie Tom Hübner und Klaus-Peter Lanser vom LWL-Museum für Naturkunde in Münster, den Saurier detailliert untersucht, klassifiziert und ihm den wissenschaftlichen Namen Wiehenvenator albati gegeben.

Riesenechsen waren Insulaner

Die versteinerten Knochen und Zähne waren 1999 bei einer Routinebegehung in einem stillgelegten Steinbruch im Wiehengebirge in der Nähe von Minden entdeckt worden. Sie waren in Meeressedimente eingeschlossen, was für die Überreste großer Landraubtiere zunächst überrascht. Im mittleren Jura waren allerdings große Teile Mitteleuropas von Meer bedeckt. Die Forscher gehen davon aus, dass W. albati auf Inseln in diesem Meer lebte. „Offenbar gab es auf diesen Inseln eine große Bandbreite zum Teil sehr großer Raubsaurier“, sagt Rauhut, „und zwar überwiegend aus der Gruppe der Megalosaurier, wie Funde aus Frankreich und England sowie der neue Raubsaurier aus Deutschland zeigen, der ebenfalls zu dieser Gruppe gehört.“ Die Megalosaurier waren die ersten Riesen-Raubdinosaurier der Erdgeschichte.
Die bisher gefundenen Überreste von Wiehenvenator albati bilden kein vollständiges Skelett. Sie sind aber sehr gut erhalten und zeigen anatomische Details, die eindeutig beweisen, dass es sich um eine neue Gattung und eine neue Art handelt. Einige der gefundenen Zähne sind so groß wie Bananen und zum Rachen hin gekrümmt. Ähnlich wie Allosaurus oder der viel später entstandene Tyrannosaurus rex lief W. albati auf den Hinterbeinen und besaß nur kurze Vorderläufe.
Eine stammesgeschichtliche Analyse der evolutionären Verwandtschaftsverhältnisse von Wiehenvenator ergab, dass der Raubsaurier zu einer Großgruppe gehört, deren Artenreichtum im mittleren Jura geradezu explosionsartig zunahm. „Zu dieser Zeit entstanden praktisch alle wichtigen Raubsaurier-Gruppen, darunter auch die Tyrannosaurier, die erst 80 Millionen Jahre später wirklich gigantische Formen hervorbrachten, und auch die ersten direkten Vogelvorfahren“, sagt Rauhut. Für dieses rasche Entstehen neuer Arten hatte vermutlich das Aussterben eines Großteils der altertümlicheren Raubsaurier am Ende des unteren Jura sozusagen den Weg freigemacht, möglicherweise aufgrund eines durch Vulkanausbrüche ausgelösten Klimawandels.


 

WiehenvenatorF2

Rekonstruktionszeichnung von Wiehenvenator; Zeichnung: Joschua Knüppe

Publikation;

A new megalosaurid theropod dinosaur from the late Middle Jurassic (Callovian) of north-western Germany: Implications for theropod evolution and faunal turnover in the Jurassic

Oliver W.M. Rauhut, Tom Hübner, and Klaus-Peter Lanser

Palaeontologia Electronica 2016



Kontakt:

PD Dr. Oliver Rauhut

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie
Richard-Wagner-Str. 10
80333 München
Telefon: +49 (0) 89 2180 6645
Fax: +49 (0) 89 2180 6601
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